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Keramik jenseits von 'Kulturen'

Caroline Heitz
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      Mobilität ist für Formen des sozialen Zusammenlebens grundlegend. Doch welche Rolle spielte räumliche Mobilität in der Vergangenheit? Aus prähistorischen Zeitabschnitten wie etwa dem Neolithikum ist dazu noch immer wenig bekannt. Das gilt auch für die Siedlungsräume des nördlichen Alpenvorlandes. Deren Feuchtbodensiedlungen mit den hervorragend erhaltenen Resten in Seen und Mooren gehören seit 2011 zum UNESCO Welterbe und bieten eine einzigartige Forschungsgrundlage. Die dendrochronologisch datierten Siedlungen eröffnen die seltene Möglichkeit, kulturelle, soziale und ökonomische Transformationen zeitlich und räumlich hochauflösend zu untersuchen. Das gelingt im vorliegenden Band anhand der Keramik aus zeitgleich datierten Siedlungen am Zürichsee und Bodensee aus der Zeit zwischen 3950 und 3800 v.Chr.Prozessphilosophische Überlegungen zum Entstehen und dem Wandel von ‘Dingen’ werden mit relationalen sozialtheoretischen Konzepten wie etwa dem Habitus-Theorem zu einem praxeologischen Ansatz verbunden. Dieser dient als epistemologische Grundlage einer neu ausgearbeiteten ‘Mixed Methods Research’-Methodologie, die ein tieferes Verständnis von Mobilität, Beziehungsgeflechten, sozialen Konfigurationen und Transformationen ermöglicht: Mit qualitativen Klassifikationsmethoden können soziale Praktiken der Keramikherstellung aus der Handlungsperspektive nachvollzogen werden und mit quantitativen Klassifikationsmethoden überregionale Muster der Keramikkonsumption. Anhand solcher materieller Verflechtungen werden Muster räumlicher Mobilität sowie die weitreichenden Beziehungen der jeweiligen Siedlungsgemeinschaften erkennbar. Im Rhythmus einzelner Dekaden lassen sich mobilitätsbezogene Aneignungsphänomene und Transformationen in den Keramikpraktiken nachvollziehen. Darüber hinaus führt die Kombination einer subjektivistischen mit einer ‘objektivierten’ Haltung im Forschungsprozess auf Basis von Pierre Bourdieus Epistemologie, der Praxeologie, zu einem erkenntnistheoretischen, metamodernen ‘dritten Weg’, der zwischen dem Realismus der Moderne (Prozessuale Archäologie) und dem Konstruktivismus der Postmoderne (Postprozessuale Archäologie) vermittelt. Dadurch werden kulturhistorische Gesellschaftsmodelle dekonstruiert, welche ‘Kulturen’ als vermeintlich statische, homogene, räumlich klar abgrenzbare Entitäten konzeptualisierten. Stattdessen verweist die Keramik auf translokale soziale Konfigurationen, durch welche die Siedlungen während des 4. Jahrtausends v.Chr. im nördlichen Alpenvorland miteinander verbunden waren.English abstractMobility is fundamental to forms of social configurations. But what role did spatial mobility play in the past? Regarding prehistoric periods, such as the Neolithic, we still do know little about this. That also applies to the settlement areas of the northern Alpine Foreland. The wetland settlements there were labelled UNESCO World Heritage in 2011. With their excellently preserved remains in lakes and bogs they provide a unique r
      Format: CONTRIBUTORS: Caroline Heitz EAN: 9789464280463 COUNTRY: Netherlands PAGES: WEIGHT: 0 g HEIGHT: 280 cm
      PUBLISHED BY: Sidestone Press DATE PUBLISHED: 2022-11-23 CITY: GENRE: HISTORY / Ancient / General, HISTORY / Europe / General, SOCIAL SCIENCE / Archaeology WIDTH: 210 cm SPINE:

      Book Themes:

      Prehistory, Archaeology by period / region

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      Caroline Heitz studied Archaeology, Social Anthropology and Modern History of Eastern Europe at the University of Basel, Switzerland. She was a research and teaching assistant at the Institute of Archaeological Sciences at the University of Bern until 2018. Caroline’s cutting-edge doctoral research innovatively combined research on mobility, entanglement, appropriation, and transformation in relation to Neolithic pottery from the UNESCO-World Heritage wetland sites.She was awarded a Postdoc-Mobility Grant from the Swiss National Science Foundation and became a fellow at the School of Archaeology, University of Oxford in 2021, and the CRC 1266 ‘Scales of Transformation’ at the Kiel University in 2022. She currently researches social archaeological topics as well as climate change vulnerabilities and resilience capabilities. Caroline has a special interest in ontological and epistemological questions as well as inter- and transdisciplinary, she combines theories from archaeology with approaches from philosophy, sociology and social anthropology in her research.ORCID: https://orcid.org/0000-0001-7188-6775
      Mobilität ist für Formen des sozialen Zusammenlebens grundlegend. Doch welche Rolle spielte räumliche Mobilität in der Vergangenheit? Aus prähistorischen Zeitabschnitten wie etwa dem Neolithikum ist dazu noch immer wenig bekannt. Das gilt auch für die Siedlungsräume des nördlichen Alpenvorlandes. Deren Feuchtbodensiedlungen mit den hervorragend erhaltenen Resten in Seen und Mooren gehören seit 2011 zum UNESCO Welterbe und bieten eine einzigartige Forschungsgrundlage. Die dendrochronologisch datierten Siedlungen eröffnen die seltene Möglichkeit, kulturelle, soziale und ökonomische Transformationen zeitlich und räumlich hochauflösend zu untersuchen. Das gelingt im vorliegenden Band anhand der Keramik aus zeitgleich datierten Siedlungen am Zürichsee und Bodensee aus der Zeit zwischen 3950 und 3800 v.Chr.Prozessphilosophische Überlegungen zum Entstehen und dem Wandel von ‘Dingen’ werden mit relationalen sozialtheoretischen Konzepten wie etwa dem Habitus-Theorem zu einem praxeologischen Ansatz verbunden. Dieser dient als epistemologische Grundlage einer neu ausgearbeiteten ‘Mixed Methods Research’-Methodologie, die ein tieferes Verständnis von Mobilität, Beziehungsgeflechten, sozialen Konfigurationen und Transformationen ermöglicht: Mit qualitativen Klassifikationsmethoden können soziale Praktiken der Keramikherstellung aus der Handlungsperspektive nachvollzogen werden und mit quantitativen Klassifikationsmethoden überregionale Muster der Keramikkonsumption. Anhand solcher materieller Verflechtungen werden Muster räumlicher Mobilität sowie die weitreichenden Beziehungen der jeweiligen Siedlungsgemeinschaften erkennbar. Im Rhythmus einzelner Dekaden lassen sich mobilitätsbezogene Aneignungsphänomene und Transformationen in den Keramikpraktiken nachvollziehen. Darüber hinaus führt die Kombination einer subjektivistischen mit einer ‘objektivierten’ Haltung im Forschungsprozess auf Basis von Pierre Bourdieus Epistemologie, der Praxeologie, zu einem erkenntnistheoretischen, metamodernen ‘dritten Weg’, der zwischen dem Realismus der Moderne (Prozessuale Archäologie) und dem Konstruktivismus der Postmoderne (Postprozessuale Archäologie) vermittelt. Dadurch werden kulturhistorische Gesellschaftsmodelle dekonstruiert, welche ‘Kulturen’ als vermeintlich statische, homogene, räumlich klar abgrenzbare Entitäten konzeptualisierten. Stattdessen verweist die Keramik auf translokale soziale Konfigurationen, durch welche die Siedlungen während des 4. Jahrtausends v.Chr. im nördlichen Alpenvorland miteinander verbunden waren.English abstractMobility is fundamental to forms of social configurations. But what role did spatial mobility play in the past? Regarding prehistoric periods, such as the Neolithic, we still do know little about this. That also applies to the settlement areas of the northern Alpine Foreland. The wetland settlements there were labelled UNESCO World Heritage in 2011. With their excellently preserved remains in lakes and bogs they provide a unique r
      Format: CONTRIBUTORS: Caroline Heitz EAN: 9789464280463 COUNTRY: Netherlands PAGES: WEIGHT: 0 g HEIGHT: 280 cm
      PUBLISHED BY: Sidestone Press DATE PUBLISHED: 2022-11-23 CITY: GENRE: HISTORY / Ancient / General, HISTORY / Europe / General, SOCIAL SCIENCE / Archaeology WIDTH: 210 cm SPINE:

      Book Themes:

      Prehistory, Archaeology by period / region

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      Caroline Heitz studied Archaeology, Social Anthropology and Modern History of Eastern Europe at the University of Basel, Switzerland. She was a research and teaching assistant at the Institute of Archaeological Sciences at the University of Bern until 2018. Caroline’s cutting-edge doctoral research innovatively combined research on mobility, entanglement, appropriation, and transformation in relation to Neolithic pottery from the UNESCO-World Heritage wetland sites.She was awarded a Postdoc-Mobility Grant from the Swiss National Science Foundation and became a fellow at the School of Archaeology, University of Oxford in 2021, and the CRC 1266 ‘Scales of Transformation’ at the Kiel University in 2022. She currently researches social archaeological topics as well as climate change vulnerabilities and resilience capabilities. Caroline has a special interest in ontological and epistemological questions as well as inter- and transdisciplinary, she combines theories from archaeology with approaches from philosophy, sociology and social anthropology in her research.ORCID: https://orcid.org/0000-0001-7188-6775

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